Leitbild statt Leitkultur

Veröffentlicht am 21.05.2017 in Abteilung

Dietmar Molthagen und Annette Tabbara im Gespräch über das Leitbild

Thomas De Maizière hat im Frühjahr seine 12 Thesen für eine Leitkultur vorgestellt. Im Kontrast dazu steht das Leitbild der Friedrich-Ebert-Stiftung. Anders als mit der Leitkultur, die auf das Prinzip Abgrenzung aufbaut, wirbt das Leitbild für ein Miteinander aller und will vermitteln statt Gräben aufzureißen.

Miteinander in Vielfalt – so lautet der Titel des Leitbildes für die Einwanderungsgesellschaft, das im Februar dieses Jahres von der Friedrich-Ebert-Stiftung vorgestellt wurde. 9 Monate lang hatte eine Expert*innen-Kommission unter Leitung der Bundesbeauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration, Aydan Özoğuz, diskutiert. Das Ergebnis ist ein Ausblick darauf, wie das Zusammenleben in Vielfalt gelingen kann:

  • Deutschland ist ein Einwanderungsland
  • Einwanderung birgt Chancen und Risiken – auf die Ausgestaltung kommt es an
  • Teilhabechancen als zentrales Gerechtigkeitskriterium
  • Das Grundgesetz ist die Basis
  • Vielfalt ist eine Tatsache, Zugehörigkeit kann erworben werden und Identitäten sind wandelbar
  • Gemeinsamkeiten entstehen im Zusammenlaben
  • Diskriminierung verhindert Teilhabe
  • Konflikte können gelöst werden
  • Deutschland steht vor einer guten Zukunft

    Das sind die zentralen Gedanken des Leitbildes, das sich ausdrücklich an alle Menschen, die in Deutschland leben, wendet. Alle sollen mitreden, kritisieren, ergänzen – das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Zu allererst setzt das Leitbild aber voraus, dass wir akzeptieren, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist und daher Migration völlig normal ist. Statt Migration abzuwehren und Schranken aufzubauen, geht es in dem Leitbild darum Werte und Freiheiten unserer Gesellschaft zu erhalten und auszubauen.

    In unserer Sitzung im Mai konnten wir zwei Abteilungsmitglieder begrüßen, die an der Entstehung des Leitbildes unmittelbar beteiligt waren. Dietmar Molthagen arbeitet bei der Friedrich-Ebert-Stiftung/Forum Berlin, war Mitglied der Projektsteuerung und begleitet jetzt den weiteren Diskussionsprozess. Annette Tabbara ist die Büroleiterin von Aydan Özoğuz. Sie berichtete aus der Perspektive des Kanzleramtes über die Motivation für dieses Projekt und seinen Entstehungsprozess. Dann folgte eine lebhafte Diskussion:  Wie balancieren wir „Fördern & Fordern“ aus? – Warum ist der Begriff der Leitkultur daneben? – Welche Rolle spielen Wahlrecht und Einbürgerung bei der Integration? – Wie können wir alle an unserer interkulturellen Kompetenz arbeiten, und wozu überhaupt?

In der Diskussion um die mediale Aufmerksamkeit zwischen den gegensätzlichen Ideen der Leitkultur und des Leitbildes wurde offensichtlich, dass Ideen der Ausgrenzung einfacher zu vermitteln sind. Forderungen nach Vielfalt sind hingegen komplizierter und daher nicht so Schlagzeilen trächtig.

 Nicht alle Fragen brachten eine eindeutige Antwort, am Ende waren aber auch wir uns einig: Deutschland steht vor einer guten Zukunft.

Mehr Infos gibt es hier auf der Seite der Friedrich-Ebert-Stiftung.

 
 

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... am 04. Juli ist um 19:30 Uhr das nächste Stammtischtreffen. Diesmal am Wasserturm am alten Schlachthof!

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